Haudegen ! Fanclub Sachsen ( Waldheim)

Untertitel


Erste Begegnung

Die Haudegen sind einzigartig, und das liegt nicht allein an ihrer optischen Erscheinung. Denn kaum eine andere deutsche Band vereint Gegensätze so gut wie die Haudegen aus dem Ostbezirk der deutschen Hauptstadt. Kommen die beiden gestandenen Kerle auf einen zu, ergreift man die Flucht, singen sie, will man sie umarmen. Das passiert jedem, der Hagen und Sven zum ersten Mal begegnet. „Die Überraschung ist unser Vorteil“, sagt Hagen bestimmt. Er weiß, wovon er spricht. Denn er hat die Familie, die Freunde und die Fans schon immer überrascht in seinem Leben. Das war seine Art zu überleben. Aufgewachsen ist Hagen im sozialen Brennpunkt, Marzahn-Hellersdorf. Drogen, Gewalt, Arbeitslosigkeit – die Ost-Berliner Plattenbauten haben Hagen gezeigt, was es bedeutet zu leben – und zu überleben. Sein bester Freund Sven, sein „Bruder“, wie er ihn gerne nennt, ist seit 1983 an seiner Seite. Mit ihm ist er durch dick und dünn gegangen. Sie standen gemeinsam als Türsteher vor den lokalen Clubs, haben als Joe Rilla und Tyron so manchen Rap-Battle für sich entschieden und jetzt ziehen sie gemeinsam als Haudegen durch die Kneipen, Clubs, Jugendzentren – hinaus in die weite Welt. Flügel und Schwert, das Haudegen-Logo, das für sie den ewigen Kampf und die Freiheit symbolisiert, haben sich beide als Zeichen ewiger Treue tätowiert. Gossenpoesie nennen sie ihre Musik. Zwei Männer, ein Wort. Einer für beide, beide für einen. Mit der EP „Haudegen“ haben die Haudegen bereits im Oktober letzten Jahres das erste Ausrufezeichen in der deutschsprachigen Musikszene gesetzt. Rockig hart waren die Riffs und hymnenhaft die Gesänge. Jetzt folgt mit „Schlicht & Ergreifend“ das Debüt-Album, auf dem schon wieder alles anders ist. Verschwunden sind die fetten Gitarren, das Metallische. Eingekehrt sind Pop-Melodien, lyrische Streicheleinheiten und jede Menge großfüßiger Pomp.

 

Schlicht & Ergreifend

Mit der EP steckten wir in der musikalischen Findungsphase,“ denkt Hagen laut nach, und braucht nicht anzufügen, dass die Suche mit „Schlicht & Ergreifend“ den ersten Zwischenstopp erreicht hat. Überhaupt, ein Doppelalbum als Debüt – das haben sich in Deutschland bislang die wenigsten Bands getraut. Für Hagen von den Haudegen gar kein großes Ding, mehr eine logische Konsequenz seiner Arbeitsweise. Ihm liegt es nicht, klein zu denken. Wenn er was will, muss es groß, mächtig und überwältigend sein – sonst braucht er keine Energie hinein zu stecken. Das hört man dem Doppelalbum an. „Schlicht“ ist der überwältigende, pompöse Part mit griffigen Pop-Melodien und balladesken Rock-Nummern, „Ergreifend“ hingegen liefert unwiderstehliche musikalische Dramarturgien. Bei einigen Songs vom Doppelalbum werden die Haudegen vom Deutschen Filmorchester Babelsberg unterstützt, eine hörbar fruchtbare Zusammenkunft. Die beiden haben halt viele musikalische Gesichter,  sie kategorisieren zu wollen, scheint eine schier unlösbare Aufgabe. Die Berliner schwingen mit „Schlicht & Ergreifend“ zwischen Breitwand-Rockbands wie Nickelback oder Staind und Liedermachern der Kragenweite Klaus Lage, Reinhard Mey und Grönemeyer hin und her. Wie bereits bemerkt, eine Band voller Gegensätze. Diese vereinen die beiden auch bei der Performance. Hagen gibt mir seiner ungeschliffenen, kantigen Stimme den Ton an, während Sven mit Gefühl die klaren Linien singt und somit Emotionen verbreitet. Hagen sieht sich als schlicht, Sven eher als ergreifend, und nur in dieser Kombination kommen Songs wie „Der Tag den ich nie vergesse“, „Wo bist du hin“ oder auch „Zu Hause“ perfekt zur Geltung.

 

Stimme des kleinen Mannes

Hagen und Sven sind sich bewusst, dass ihre Herkunft und ihre Erfahrungen im sozialen Brennpunkt Marzahn-Hellersdorf sie zu dem gemacht haben, was sie 2011 sind. Dankbarkeit und Demut dem Leben gegenüber sind das Ergebnis, denn die beiden wissen, dass sie mit Glück gesegnet sind. Das wollen sie mit ihren Fans teilen. Ihre Songs handeln vom Leben da draußen, dem auf der Straße, dem hinter heimischen vier Wänden. Sie setzen sich mit den Menschen auseinander, hören ihren Geschichten zu und machen diese zu ihren eigenen. Inspiriert von ihrem Umfeld entwerfen sie daraus Songtexte und ergreifen für die Kraftlosen, die Machtlosen das Wort. Die Haudegen sind die „Stimme des kleinen Mannes“. „Diese wird viel zu oft überhört“, sagt Hagen ernst. „Manche Menschen haben sich bereits aufgegeben. Für diese Menschen erheben wir das Wort.“ Das ergibt einen bittersüßen Reigen aus zerbrochenen Beziehungen, Liebeskummer und Enttäuschungen auf der einen, und mutmachenden, stützenden, warmen lyrischen Umarmungen auf der anderen Seite. Geschichten, die das Leben schreibt und Songs, die auf Titel wie „Alles Gute von dieser Welt“ oder „Setz die Segel“ hören. Im lyrischen Fahrwasser deutscher Liedermacher geht es bei „Schlicht & Ergreifend“ auch darum, in sich hineinzublicken. Die Haudegen wollen, dass man sich und seine eigene Situation versteht – und die warmen verbalen Wogen sollen helfen, wieder ein positives Lebensgefühl zu entwickeln. Ferner wünscht sich Hagen, dass man sensibel für seine eigene, persönliche Geschichte wird. „Großvater sagt“ von der EP im letzten Jahr ist der große Vorreiter solcher Songs, jetzt folgen „Auf die guten alten Zeiten“, „Der alte Mann im Hof“ oder „Alles war besser“. Songs, die für jeden Hörer greifbar, verständlich sind. „Ich krame gerne in der familiären Vergangenheit, weil all das, was uns verbindet, generationsübergreifend ist. Ich will die Geschichte verstehen, ich will mich selbst verstehen“, erklärt Hagen seine Herangehensweise. Um für seine Texte dann die richtigen Worte zu finden, muss er von Zeit zu Zeit auch mal raus aus dem Sumpf, den Kopf frei  kriegen und ab in die ländliche Stille. Manchmal genügt auch ein Hotelzimmer in einer fremden Stadt, wichtig ist, dass er nachdenken kann, „Ein Mann ein Wort“ oder „So fühlt sich Leben an“ sind auf diese Art und Weise geboren worden.

 

 

Mehr als Musik

Die Haudegen sind das derzeit größte und interessanteste Kuriosum der deutschsprachigen Musiklandschaft. Zwei erdige Pfundskerle vermischen Liedermacher-Traditionen mit breitwandiger Pop-Attitüde und massenkompatibler Rock-Musik. Damit sind sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn nie war deutschsprachige Musik so populär und erfolgreich wie in den letzten Jahren. Ihre Idole können die beiden dabei klar benennen: Herbert Grönemeyer, Klaus Lage, Konstantin Wecker oder auch Reinhard Mey, das sind für Hagen und Sven Charaktere, die mit deutschen Texten Millionen bewegt haben. Und dass nur, weil sie Typen mit einer Vision waren. Typen, wie auch Hagen und Sven welche sind. Erdig, wahrhaftig, authentisch. Zwei Kerle, die anpacken, die was bewegen, die Klischees beiseite schieben wollen. Deshalb wollen es die beiden Mittdreißiger  auch nicht bei Musik allein belassen. Das alte HipHop-Credo, dass man „machen“ muss, fließt noch durch ihre Adern. So kommt es, dass sie nicht als Stars auf der Bühne bewundert werden wollen. Sie wollen inmitten der Leute sein, ihnen zuhören – und auch helfen. Deshalb haben Hagen und Sven zu Spendenaktionen aufgerufen, in Bahnhofsmissionen geholfen und stellen mit den Straßensozialarbeitern von Gangway Berlin etwas auf die Beine. „Man kann viel reden, aber man muss auch was tun“, sagt Hagen und tut so, als sei das eine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit. Der bestimmende Unterton seiner Stimme zeigt, wie wichtig ihm das ist. Vielleicht, weil ihm und Sven nie unter die Arme gegriffen wurde. Sie mussten sich durchbeißen und wissen jetzt, dass man was bewegen kann – wenn man keine Angst vor etwas Neuem hat und sich seinen Chancen stellt. Das ist es, was die Haudegen tagtäglich antreibt. Sie stellen sich schlicht und ergreifend dem Leben – und lieben es, mit all seinen Facetten.

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